Ausdauertraining

Wer das Ziel hat, sich leistungsmäßig zu verbessern, sollte sich diese Seite genau ansehen. Hier wurden aus verschiedenen Büchern (Quellen am Ende der Seite) die wichtigsten Informationen zusammengestellt.



Konditionsentwicklung
Ausdauerbelastung und die Antwort des menschlichen Körpers
Auswirkungen auf die Muskulatur
Einfluß von Ausdauertraining auf die Herzfrequenz
Energiestoffwechsel unter körperlicher Belastung
Leistungsdiagnostik
Bedeutung des Grundlagenausdauertrainings
Kompensationsbereich (KB)
Grundlagenausdauertraining 1
Grundlagenausdauertraining 2
Entwicklungsbereich

I. Allgemeines


Konditionsentwicklung


Konditionsentwicklung ist neben dem Alter des Sportlers, der spezifischen organischen und/oder muskelmäßigen Veranlagung, der koordinativen Steuerung und der psychischen Fähigkeiten insbesondere von einem gezielten Training abhängig.
Die Entwicklung durch Training selbst beruht auf den Prozessen der biologischen Anpassung. Um diese Prozesse auslösen zu können und Anpassungen zu einem Optimum zu führen, ist es hilfreich, sich bei der Planung und Durchführung des Konditionstrainings an sog. Trainingsprinzipien zu orientieren.

Training als biologische Ursache-Wirkungs-Kette:

Belastung
I
Störung des biologischen Gleichgewichts
I
Erholung
I
Anpassung
I
erhöhter Funktionszustand


a) ohne Training: max. Leistungsfähigkeit ca. 70%

b) durch Training zu erreichende max. Leistungsfähigkeit ca. 90% (kann nur bei Todesangst oder Doping überschritten werden)

II. Ausdauerbelastung und die Antwort des menschlichen Körpers


1. Das Herz


Rein anatomisch gesehen handelt es sich bei einem Sportherz in der Regel um eine nahezu harmonische Herzvergrößerung infolge einer Vergrößerung der Herzhöhlen (Dilatation) und einer Verdickung der Herzwände (Hypertrophie). Es bildet sich nach Beendigung der sportlichen Karriere wieder zurück.
So kann das Herz eines Hochleistungssportlers unter Belastungsbedingungen zwischen 30 und 40 Liter Blut pro Minute pumpen, während der Untrainierte nur 20 Liter Herzminutenvolumen aufweist. Für den Sportler gibt es zu beachten, daß sein Sportherz zwar eine deutlich bessere Leistungsbreite zeigt, daß aber unter Ruhebedingungen, insbesondere bei schnellem Lagewechsel vom Liegen zum Stehen, doch gelegentlich leichter Blutdruckabfall mit kurzzeitigem Unsicherheits- oder Schwindelgefühl auftreten kann. Auch scheint ein Sportherz bei akuten Viruserkrankungen stärker als ein normales Herz zu schwerwiegenden Rhythmusstörungen zu neigen.

Der Grundsatz, nie mit einem akuten Infekt eine sportliche Betätigung aufzunehmen, ist hier oberste Maxime.

2. Das Gefäßsystem



Ausdauertraining führt zu folgenden Anpassungsergebnissen im Bereich des Gefäßsystems:

a) Erniedrigung des arteriellen Blutdrucks


Ursachen der Blutdruckabsenkung sind:
o Verbesserung und Erhaltung des hohen Elastiztätsgrades der großen Gefäße
o Erhöhter Vagotonus
o Umverteilung des Blutvolumens in die Muskulatur

b) Verbesserung der Kapillarisierung in der Muskulatur:


Innerhalb der Muskulatur finden wir bei Ausdauersportlern ein wesentlich dichteres Gefäßsystem, das einerseits durch Neubildung von Kapillargefäßen andererseits durch sogenannte Kollateralenbildung (Aufweitung bereits vorbestehender brachliegender Kapillaren) entsteht. Die Vorteile dieser vermehrten Kapillarisierung liegen in einer verbesserten Sauerstoff- und Nährstoffversorgung der Muskulatur mit entsprechend günstigeren Abflußverhältnissen für giftige Stoffwechselprodukte und Ermüdungsstoffe.

c) Ökonomisierung der Gefäßsteuerfunktion:

Der häufige Wechsel von Blutumverteilungen unter Trainings- und Ruhebedingungen fördert die Adaptation des vegetativen und hormoneilen Systems an eine gesteigerte Belastung im psychophysischen Bereich. Diese Ökonomisierung der vegetativen Steuerfunktionen ermöglicht dem Trainierten eine höhere Belastbarkeit unter Wettkampfbedingungen und führt gleichzeitig auf eine höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber Blutgefäßerkrankungen im arteriellen und venösen Bereich.
Wie stark diese Blutumverteilungen sind, ist auch für den Laien erkennbar: In der Ausbelastungsphase eines Läufers zeigen sich besonders an Rumpf und im Bereich der Kniekehlen weiße Flecken als Hinweis für die Blutleere der Haut. Erfahrene Athleten machen sich diese Zeichen der Ausbelastung an den Beinen der Gegner für taktische Manöver (kurzfristige Tempoerhöhung) zunutze, um sie in die Übersäuerung zu zwingen.

3. Das Blut



Die wichtigsten ausdauertrainingsbedingten Reaktionen des Blutsystems sind:

o Die Erhöhung des Gesamtblutvolumens bis zu 25 %, wobei sich die das Plasmavolumen etwa um zwei Drittel, das Gesamtvolumen der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) um etwa ein Drittel vermehrt.

Die im Verhältnis zur Erythrozytenzunahme relative Wasserzunahme hat erstens den Vorteil, daß das Blut dünnflüssiger wird und damit leichter läuft, zweitens, daß der Körper beim erhöhten Wasserumsatz im Ausdauersport eine Art Wasserreserve hat.
Die Vermehrung der roten Blutkörperchen erhöht die Sauerstofftransportfähigkeit des Blutes und damit die Leistungsfähigkeit unter extremen Anforderungen. Unterstützt wird dies noch durch eine verbesserte Abgabe des Sauerstoffs in das Gewebe. Zudem wird die Neigung der Erythrozyten, sich bei langsamer Blutströmung zur Pfropfenbildung aneinanderzulegen, verringert, und die einzelnen Zellen werden plastisch verformbarer, so daß sie Engstellen besser passieren können.

o Anregung der Abwehrfunktion:
Durch regelmäßiges umfangbetontes und nicht zu hartes Ausdauertraining scheint es zu einer Verbesserung sowohl der unspezifischen zellulären Abwehrfunktion (weiße Blutkörperchen = Leukozyten) wie auch der spezifischen an Eiweißkörper (Globuline) gebundenen Immunität zu kommen.

4. Die Atmung

Der wesentlichste Effekt des Ausdauertrainings ist eine Ökonomisierung der Atemmotorik und eine Verbesserung des Gasaustausches über eine erhöhte Sensibilität der Rezeptor- und Regelsysteme. Eine große Lunge alleine ist keine sichere Gewähr für eine gute Ausdauerleistungsfähigkeit. Für die Praxis hat es sich als ungünstig erwiesen, bei sportlicher Betätigung im Ausdauerbereich die Atemfrequenz und -tiefe willentlich zu verändern, z. B. einer bestimmten Schrittfolge anzupassen. Hier stört man nur die Eigenregulation der Atmung. Ausnahme: Schwimmsport

5. Die Muskulatur


Zur Muskelstruktur:

Generell beinhaltet eine Muskelzelle (Muskelfaser), vereinfacht dargestellt, folgende Struktur:

a) mehrere Zellkerne für die genetische Information und Steuerung des gesamten Zellstoffwechsels
b) kontraktile Element (Aktin/Myosin) für die Muskelverkürzung und - Verlängerung
c) Mitochondrien als Zellkraftwerke für die aerobe Energiegewinnung (Energieherstellung unter Sauerstoffbedingungen)
d) Zellplasma, eine proteinreiche Lösung, in der die anaerobe Energiegewinnung stattfindet (Energieherstellung unter Sauerstoffmangelbedingungen)
e) Myoglobin, Eiweißkomplex mit Eisengehalt zur Sauerstoffbindung
f) Glykogendepots und Depotfett als Brennstoff

Der menschliche Skelettmuskel besteht aus vielen Faserbündeln, diese aus Fasern, diese wiederum aus sog. Myofibrillen und diese schließlich aus sog. Sarkomeren. Die makromolekularen Einheiten des Sarkomers bilden die dicken und dünnen Filamente, sie bestehen aus Eiweißen.
Die Muskelkontraktion selbst kommt durch eine Brückenbildung zwischen Eiweißmolekülen (Myosin und Actin) aufgrund der Freisetzung von Calcium-Ionen und der Spaltung des in der Muskelzelle vorhandenen Energiedepots ATP (Adenosintriphosphat) zustande. Das ATP ist auch dafür verantwortlich, daß die Brückenbildung wieder aufgehoben wird und der Muskel sich wieder entspannt. Wenn also in einem Muskel die ATP-Konzentration nach Drosselung der Energiezufuhr absinkt (z. B. im stark ermüdeten Zustand), so kann sich der Muskel nicht entspannen, er bleibt "hart" (z.B. im Extremfall beim Muskelkrampf oder nach dem Tode). Das ATP hat folglich zum einen die Aufgabe der Energielieferung und zum anderen die eines "Weichmachers".

Fasertypenzusammenstellung

Innerhalb des physiologischen Querschnitts spielt eine entscheidende Rolle die genetisch bedingte prozentuale Verteilung von Fast-Twitch (FT) und Slow-Twitch (ST) Fasern. Genau genommen ist nicht die Zahl der Fasertypen, sondern das Verhältnis der Querschnittsflächen von FT- zu ST-Fasern entscheidend. FT-Fasern haben nicht nur eine höhere Kontraktionsgeschwindigkeit, sondern auch eine ca. doppelt so hohe Spannungsentwicklung wie die ST-Fasern.

Fasereinsatz bei langsamen Kraftanstieg
Unabhängig von der prozentualen Faserverteilung kann man sich den Einsatz der Fasern bei langsamen Bewegungen und ansteigender Belastung wie folgt vorstellen: Bei bis ca. 40 % Belastungsintensität werden vorwiegend ST-Fasern beansprucht; bei steigender Belastung schalten sich entsprechend die FTO- und FTG- Fasern zu.

Auswirkungen auf die Muskulatur


1. Die vermehrte Kapillarisierung (siehe oben)

2. Die Verbesserung der sauerstoffverbrennenden Energiesysteme

In enger Korrealation mit der Kapillarisierung um die Muskelfaser steigen unter regelmäßiger Ausdauerbelatung in der Zelle Zahl und Größe der Mitochondrien (Zellkraftwerke für die Sauerstoffverbrennung) und die Aktivität der Enzyme (Stoffwechselarbeiter) um das zwei- bis dreifache an. Der Myoglobingehalt (Sauerstoffspeicher innerhalb der Muskelzelle) nimmt bis ca. 100 % zu. Jahrelanges Ausdauertraining scheint auch in geringem Umfang die Umwandlung von schnellen Muskelfasertypen in langsame zu begünstigen und damit die genetische Anlage etwas zugunsten der ST-Fasern zu verändern.

3. Die Erhöhung der Brennstoffspeicher

Die immer wiederkehrende Entleerung und Wiederauffüllung der Brennstoffspeicher führt auf der Kohlenhydratseite (Kohlenhydrate = Zucker) zu einem signifikanten Anstieg des Glykogens (Speicherform des Zuckers) in der Muskelzelle, eine entsprechend kohlenhydratreiche Ernährung vorausgesetzt. Bei Muskelgewebsuntersuchungen findet sich eine Zunahme um 100 %. Trotzdem sind die Glykogenvorräte im Muskel begrenzt, so daß der Körper bei längeren Ausdauerleistungen auf Glykogendepots in der Leber, die eigentlich für die Aufrechterhaltung des normalen Blutzuckerspiegels, der z.B. für die Gehirnleistung verantwortlich ist, zurückgreift. Das mit dem Verbrauch des Leberglykogens verbundene Absinken des Blutzuckerspiegels (Unterzucker) äußert sich mit Schwindel, Übelkeit, Kaltschweißigkeit und schlimmstenfalls mit Bewußtlosigkeit und Krampfanfällen. Sofortige Kohlenhydratzufuhr bessert den Zustand schlagartig.
Deshalb ist es für den Körper im extremen Ausdauerbereich günstiger, auf ein anderes Verbrennungsmaterial zurückzugreifen, das jeder praktisch im Überfluß hat: das Fett. Fett steht normalerweise nur für Ausdauerbelatungen mit niedrigster Intensität als Verbrennungsmaterial zur Verfügung. Gezieltes Ausdauertraining ermöglicht eine Fettverbrennung auch bei höheren Intensitäten.

Die Verbesserung der inter- und intramuskulären Koordination

Durch den kontinuierlich wiederkehrenden Bewegungsablauf beim Ausdauertraining verbessert sich das Zusammenspiel der einzelnen Muskeln untereinander (intermuskulär), wie auch das der einzelnen Muskelfasern innerhalb des Muskels (intramuskulär). Der gesamte Bewegungsablauf wird dadurch ökonomischer und verbraucht letztendlich weniger Energie. Diese Adaptation erfolgt über Nervenbahnen sowohl reflektorisch auf Rückenmarksebene wie auch auf der Basis zentralnervöser (Gehin modulierender) Einflüsse.
Damit erklärt sich die psychische Beeinflußbarkeit von sportlicher Leistung: Trotz guten Trainings kann der Athlet infolge hemmender Impulse aus dem Großhirn, etwa bei Versagensangst etc., "blockiert" sein und eine schlechte Leistung erzielen. Andererseits fördert eine positive Einstellung die Leistung.

Einfluß von Ausdauertraining auf die Herzfrequenz


Maximale Herzfrequenz
Der untrainierte Athlet hat z.B. eine maximale HF von 200 Schlägen pro Minute. Nach einer Ausdauertrainingsperiode bleibt die maximale HF auf gleicher Höhe. Das heißt: Trainiert oder untrainiert, die maximale HF ist unabhängig vom Trainingszustand. Bei sehr gut trainierten Sportlern kann jedoch eine Senkung der maximalen HF erreicht werden.

Ruheherzfrequenz
Bei Frauen ist die Herzfrequenz in Ruhe ungefähr 10 Schläge höher als bei Männern gleichen Alters. Morgens wiederum ist die Ruheherzfrequenz 10 Schläge niedriger als in der gleichen Situation am Abend. Das gilt auch für die maximale Herzfrequenz.


Maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max.)
VO2max. ist die Sauerstoffaufnahme während maximaler Belastung. Die Einheit von VO2 ist Liter/ Minute. Leistungen auf dem Niveau der VO2max. können nur kurz, maximal nur einige Minuten durchgehalten werden. Während einer VO2max.- Belastung erfolgt die Energielieferung aerob und anearob. Die anaerobe Energielieferung hat nur eine beschränkte Kapazität. Eine Dauerbelastung muß sich also auf einem Niveau abspielen, das unter dem der VO2max. liegt.

Ruhepuls
Der Ruhepuls gibt Informationen über den Trainingszustand. Wichtig ist aber auch die Information über Erholung nach dem Wettkampf oder dem Training. Aufkommende oder noch nicht ganz ausgeheilte Krankheiten, wie Virusinfektionen, Erkältungen, Grippe, können durch eine Festlegung des Ruhepulses ermittelt werden. Es sollte daher eine Pulskurve erstellt werden.

Flüssigkeitsverlust und Herzfrequenz
Wenn der Flüssigkeitsverlust mehr als 3 % beträgt, dies wären bei einem Sportler von 70 kg ein Flüssigkeitsverlust von 2,1 kg, führt dieser Verlust zu einer Verringerung der umlaufenden Blutmenge. Hierdurch bekommt das Herz weniger Blut. Diese Verringerung wird durch eine höhere HF kompensiert. Flüssigkeitsverlust verursacht also eine Steigerung der HF. Herzfrequenz als Maß für die Größe der Belastung. Zwei Athleten, die mit der gleichen Geschwindigkeit laufen, können ein unterschiedliches Herzschlagniveau erreichen. Die Schlußfolgerung, daß der Athlet, der die höchste HF erreicht, am schwersten belastet wird, ist nicht immer richtig.
Beispiel: Der eine Läufer hat eine hat eine maximale HF von 210 Schlägen pro Minute. Seine HF während des Laufes beträgt 160 Schläge pro Minute. Sein Trainingskollege hat eine maximale HF von 170 und eine HF während des Laufes von 140 pro Minute. Der erste Läufer ist um 50 und der zweite Läufer um 30 Schläge unter seiner maximalen HF. In diesem Beispiel wurde der zweite Läufer stärker belastet. Die Formel von Karvonen eignet sich gut zur Beurteilung des Belastungsgrades: (HF während Anstrengung) minus (HF in Ruhe) dividiert durch (HF max.) minus (HF in Ruhe) x 100% = .......%

Wenn man davon ausgeht, daß die Läufer in diesem Beispiel die gleiche Ruhe-HF von 50 Schlägen pro Minute haben, dann beträgt ihre prozentuale Belastung 69% bzw. 75 %. Die Prozentangabe von Karvonen ist ungefähr 10 % höher als die Prozentangabe für die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max.). Die Prozentangabe von Karvonen von 75 % entspricht einer VO2max. von 65 %.

Verschiedene Trainingsarten in Relation zur Laktatkonzentration und Herzfrequenz
Die Laktatkurve, die für jeden Sportler persönlich erstellt werden muß, kann zur Trainingssteuerung herangezogen werden. Es ist bekannt, daß das aerobe Ausdauervermögen am besten mit einem Ausdauertraining im Bereich der anaeroben Schwelle trainiert werden kann, d.h. einem Training mit Geschwindigkeiten, die mit Milchsäurewerten von 2, 3, 4 und 5 mmol/1 einhergehen.
Sehr gut trainierte Athleten steigern das Ausdauervermögen bei etwas niedrigeren Milchsäurewerten, meistens bei Werten zwischen 2 und 3 mmol. Weniger gut trainierte Athleten verbessern das Ausdauervermögen bei etwas höheren Werten, etwa bei 3, 4 und 5 mmol Milchsäure.
Durch Ausdauertraining wird die Lage der Kurve verändert. Es kommt zu einer Verschiebung nach rechts. Die Trainingsintensität muß daher regelmäßig angepaßt werden, wozu aber eine neuerliche Blutuntersuchung notwendig ist.

Nachteilige Folgen von Milchsäure
Wenn die Belastung wiederholt zu intensiv ist, also ohne ausreichende Erholungzeit, dann ist ein starker Abfall des aeroben Ausdauervermögens nicht zu vermeiden. Diese zu intensive Belastung führt zu einem Beschwerdekomplex, der als Übertraining bezeichnet wird. Die Übersäuerung verursacht eine Schädigung der Muskelzellwand. Dadurch wird eine Leckbildung zwischen Muskelzelle und Blut verursacht. Einen Tag nach einem schweren Training können im Blut verschiedene Veränderungen festgestellt werden, u.a. eine Erhöhung des Harnstoffs und des KPK-Gehalts. Es kann 24 - 96 Stunden dauern, bis diese Werte wieder normalisiert sind. Die Wiederherstellung der Muskelzellbeschädigung kann also lange dauern.
Durch Muskelübersäuerung entstehen Mikrorisse im Muskelgewebe. Diese kleinen Beschädigungen sind bei unzureichender Erholung die wichtigste Ursache für das Entstehen von größeren Verletzungen. Die Bildung von Kreatinphosphat wird verlangsamt.
Wenn die Glykogenreserven verbraucht sind, ist die Energiebereitstellung durch zu hohe Milchsäurewerte gefährdet, weil die Fettverbrennung gebremst wird.


Energiestoffwechsel unter körperlicher Belastung


Prinzipien zur Auslösung der Anpassung

1. Prinzip des wirksamen Belastungsreizes
Dieser Grundsatz sagt aus, daß der Trainingsreiz eine bestimmte Intensitätsschwelle überschreiten muß, um überhaupt eine Anpassungsreaktion auszulösen, d.h., um trainingswirksam zu sein.

2. Prinzip der progressiven Belastungssteigerung
Wenn Trainingsbelastungen über eine längere Zeitdauer gleich bleiben, hat sich der Organismus so angepaßt, daß dieselben Belastungsreize nicht mehr überschwellig stark wirken oder sogar unterschwellig werden. Jedenfalls rufen sie keine weitere Leistungssteigerung hervor. Die Konsequenz daraus ist eine fortschreitende Steigerung der Trainingsbelastung in gewissen Zeitabständen.

3. Prinzip der Variation der Trainingsbelastung
Im Rahmen wirksamer Trainingsbelastungen darf die Rolle des sympathischen vegetativen Nervensystems (Sympathikus) nicht übersehen werden. Der Sympathikus versetzt den Körper in den Zustand hoher Leistungsbereitschaft, was notwendige Voraussetzung für wirksame Trainingsbelastungen ist. Bei ständig gleichgearteter Stimulierung unterliegt er gewissermaßen auch der Reizstufenregel, und es zeigt sich eine Abnahme seines ergotropen (leistungssteigernden) Effekts.

4. Prinzip der optimalen Gestaltung von Belastung und Erholung
Dieser Grundsatz berücksichtigt die Tatsache, daß nach einer wirkungsvollen Trainingsbelastung eine gewisse Zeit der Wiederherstellung notwendig ist, um eine erneute gleichgeartete Belastung durchführen zu können. Biologische Grundlage ist das Phänomen der Superkompensation, demzufolge es nach einem entsprechend starken Belastungszeiz nicht nur zur Wiederherstellung (Kompensation) des Ausgangsniveaus, sondern zu einer Überkompensation (=erhöhte Wiederherstellung) der beanspruchten Energiespeicher (Kreatinphosphat, Glykogen) kommt. Das erhöhte Nieau bleibt aber nach einer einmaligen Belastung nicht erhalten, sondern bildet sich wieder zurück. Die Niveaukurve pendelt gewissermaßen um die Linie des Ausgangsniveaus aus. Damit kann sich neben der ersten Superkompensation noch ein zweiter - allerdings bereits niedrigerer - Superkompensationsgipfel zeigen. Die optimale neue Belastung muß logischerweise auf den Höhepunkt der Superkompensationsphase Rücksicht nehmen.
Da die Wiederherstellung der verschiedenen Energiespeicher bzw. biologischen Beanspruchsbereich einen unterschiedlichen Zeitverlauf zeigt, ist dieser Heterochronismus (=Verschiedenzeitigkeit) der Regeneration nach Belastung im angesprochenen Trainingsprinzip neben der Superkompensation mit zu beachten. Zeitlich länger (5-7 Tage) dauern die Regenerationszeiten, wenn z. B. der Elektrolyth- und Hormonhaushalt durch die Belastung stark beansprucht wurde oder Mitochondrieneiweiße in Mitleidenschaft gezogen worden sind. In der Trainingspraxis ist es nicht einfach, den jeweiligen optimalen Zeitpunkt der Wiederbelastung zu finden, da außer der vorausgegangenen Belastung auch die individuelle Anpassungsfähigkeit, die Ernährung und sonstige trainingsbegleitende Maßnahmen Einflußfaktoren auf den Kurvenverlauf darstellen. Letztlich führen neben dem theoretischen Wissen nur Erfahrung und Beobachtung der individuellen Verhältnisse der Athleten zu konkreten Ergebnissen.

5. Prinzip der Periodisierung und Zyklisierung
Ein Sportler kann nicht ganzjährig im Hochleistungszustand sein, da er sich damit im Grenzbereich seiner individuellen Belastbarkeit befindet. Sehr leicht ist damit die Gefahr verbunden, daß die anbole (=aufbauende Stoffwechsellage) Gesamtsituation in eine katabole (=abbauende) übergeht. Aus biologischen Gründen ist also ein Belastungswechsel notwendig. Der Phasencharakter des Adaptationsverlaufs mit Steigungs-, Stabilisierungs- und Reduktionsphasen verlangt sowohl langfristig nach Einteilung des Trainingsjahres in aufbauende, stabilisierende und reduzierende Belastungsperioden als auch mittelfristig im Rahmen der Makrozyklen einen Wechsel von belastungssteigernden, belastungserhaltenden und belastungsreduzierenden Mikrozyklen. Dadurch können einerseits Belastungsüberforderungen vermieden und andererseits höhere Leistungsspitzen zu bestimmten Zeiten erreicht werden.

Makro- und Mikrozyklen
Durch Gestaltung dieser kleinen Zeiträume sind optimale Leistungssteigerungen möglich. Notwendig sind hierbei ständig Kontrollen. Makrozyklus ist der zeitliche Wechsel zwischen längeren Abschnitten mit höherer Belastung und kürzeren mit reduzierter Dauer.

In Vorbereitungsperiode: 4-6 Wochen.

In Wettkampfperiode: 2-4 Wochen.

Mikozyklus umfaßt die Dauer von 7 Tagen
o Verhältnis von Umfang und Intensität ändert sich hier ständig
o Wechsel von geringer und sehr hoher Belastung
o Trainingseinheiten mit unterschiedlichen Hauptaufgaben möglich
o vor Wettkampftag: 2-4 Tage vorher optimale Belastung (=Überkompensationseffekt) Leistungsdiagnostik

Die Veränderungen der Laktat-Leistungs-Kurve im Laufe einer Saison spiegeln die Veränderungen des Energiestoffwechsels wieder, die durch ein stark akzentuiertes Training hervorgerufen werden. In der Regel wird zu den Saisonhöhepunkten, insbesondere in der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung zum Saisonhöhepunkt, keine Leistungsdiagnostik mehr durchgeführt, da zu diesem Zeitpunkt keine trainingsmethodische Konsequenz mehr erwartet wird. Deshalb kann es häufig vorkommen, daß der Stufentest nach der Winterpause das beste Ergebnis in der ganzen Saison erbringt. Das liegt daran, daß alle Energieressourcen ausgeruht und aufgefüllt sind und eine einmalig hohe Belastung ermöglichen. Die vermeintlich schlechteren Ergebnisse im Verlauf der Saison könnten selbstverständlich sehr viel häufiger ohne Leistungseinbuße reproduziert werden.

Nach der Trainingspause ist das Niveau des Blutlaktatspiegels in allen Trainingsbereichen hoch. Die Ergometrie nach dem ersten Ausdauerblock bringt meistens eine deutlich geringere Abbruchleistung bei deutlich niedrigeren Laktatwerten. Durch den geringeren Kohlenhydratumsatz sind die Laktatschwellen u.U. nach links verschoben. Die niedrigen Blutlaktatspiegel können sowohl durch den verbesserten aeroben Stoffwechsel als auch durch eine Glykogenverarmung nach den hohen Trainingsumfängen erklärt werden. Die Glykogenverarmung muß durch eine verstärkte Lipolyse kompensiert werden Dies gelingt jedoch nur im Ausdauerbereich, so daß im EB und SB eine deutliche Leistungseinbuße zu verzeichnen ist. Straßenradrennen werden überwiegend bei Intensitäten von GA2 und höher absolviert. Hiermit ist ein hoher glykolytischer Umsatz verbunden. Wird ein Stufentest unmittelbar nach einer Mehretappenrundfahrt durchgeführt, findet sich ein hohes Niveau des Basislaktats. Die Untersuchung wird meist wegen Erschöpfung relativ früh abgebrochen, bevor die Laktat-Leistungs-Kurve den steilen Schenkel erreicht. Ähnliche Laktatkurven werden bei Krankheit gefunden.

Nach einer lohnenden Kompensationsphase mit überwiegend KB- und GA l-Training senkt sich das Niveau des Basislaktats, und die gesamte Kurve stellt sich nach rechts verschoben dar, was überwiegend über eine nach rechts verschobene LT1 zustande kommt. Das Kennzeichen dieser Kurve ist noch eine eingeschränkte Laktatmobilisationsfähigkeit. Die einzelnen Leistungsbereiche setzen sich jetzt sehr gut durch Flexionspunkte voneinander ab. Diese Form der Laktat-Leistung-Kurve ist eine gute Grundlage für intensive Belastungen.

Wird im Laufe einer Bahntrainingseinheit, insbesondere nach Absolvierung mehrerer EB-Einheiten, ergometriert, findet sich eine deutliche Leistungssteigerung durch die gesteigerte Glykolyse und Laktatmobilisation im EB und SB. Gleichzeitig verschiebt sich LT2 deutlich nach rechts. Die Höhe von LT2 scheint stark von regulativen Vorgängen, insbesondere von der Mobilisation der Glykolyse, abzuhängen. Sie kann innerhalb weniger Tage durch ein gezieltes EB-Training um 20, in Einzelfällen um bis zu 40 Watt angehoben werden. LT1 dagegen beruht auf der Kapazität der aeroben Stoffwechselvorgänge und unterliegt regulativen Schwankungen weniger. Aus der Erfahrung der letzten Jahre scheint die Höhe von LT1 die wichtigere leistungsbestimmende Voraussetzung im Vergleich zu LT2 zu sein.

Beurteilung der Ausdauerleistungsfähigkeit - Messung der aeroben Kapazität

Die Ausdauerleistungsfähigkeit ist in großem Maße abhängig vom Energiestoffwechsel, für dessen Beurteilung physiologische Parameter herangezogen werden müssen. Die Bestimmung der Blutlaktatkonzentration bedarf einer Blutprobe. Sie ist somit eine invasive Methode.

Konditionssteuerung

Die Intensitätsbereiche können sich auf verschiedene Parameter beziehen:

o auf die prozentuale Beanspruchung der aeroben Kapazität (%VO2max)

o auf die verschiedenen Laktatschwellen wie aerobe Schwelle (AS)

o auf die Herzfrequenz

Im Radsport ist vor allem die Intensitätssteuerung über die Herzfrequenz gebräuchlich. Zusätzlich wird auch mitunter auf die Tretfrequenz in Verbindung mit der Übersetzung zurückgegriffen. Auch hier gilt, daß für leistungsorientierte Athleten individuelle Vorgaben aus Tests notwendig sind. Allgemein ist hierbei zu beachten, daß die HF-Werte beim Radfahren im Vergleich zum leichtathletischen Lauf niedriger liegen (mind. 10 %) und während der Belastung breiteren Schwankungen unterworfen sind. Die Trainingsempfehlungen müssen deshalb stets mit einer größeren Bandbreite (ca. 20P/min.) angegeben werden. Trainingswirkungen entstehen nicht alleine durch die Intensität der Belastung, sondern nur in Verbindung mit der Belastungsdauer bzw. Trainingsstrecke. Durch die Wegstrecke wird die Größe des Energieverbrauchs bestimmt, da dieser mit der über die Strecke geleisteten Muskelarbeit identisch ist. Bei rollender Vorwärtsbewegung auf dem Rad ist der Energiebedarf allerdings geringer als beim Laufen (Anheben des Körpergewichts pro Schritt, mehr tätige Muskelmasse). Somit ist für eine gleich große Trainingswirkung beim Radfahren etwa die dreifache Wegstrecke oder etwa die zweifache Belastungszeit (bei vergleichbarer Belastungsintensität) anzusetzen.

Bedeutung der Grundlagenausdauer

Im Hochleistungstraining des Straßenradsports kann bei einem Jahrestrainingsumfang von ca. 40.000 km in etwa von folgender Verteilung ausgegangen werden: Auf den Kompensationsbereich entfallen 3 %, auf den GA l-Bereich 55 %, auf den GA2-Bereich 7% und auf den wettkampfspezifischen Bereich 35 %. Der hohe Prozentsatz für letzteren Bereich ist auf die relativ hohe Anzahl von Wettkämpfen mit langen Distanzen zurückzuführen, nicht etwa auf Trainingskilometer. In den einzelnen Trainingsstufen ist die Verteilung zwischen GA1- und GA2-Training gemäß den übergeordneten Zielstellungen natürlich nicht gleich. Im Grundlagentraining entfallen etwa 85 % auf GA l-Training und 2-3% auf GA2-Training, in den Stufen des Aufbau- und Anschlußtrainings ist die Verteilung 75 % zu 5-6% und im Hochleistungstraining 50-55% zu 3-7%. Der Rest auf 100 % (12-13% bzw. 19-20% bzw. 42-43%) entfällt zusammen auf das Kompensationstraining, das wettkampfspezifische Training und auf Wettkämpfe selbst.

Grundlagen der Trainingsformen

Die energetische Wirkung auf den Organismus bildet die Basis der Einteilung der Trainingsbereiche. Die Trainingsbereiche sind nach den vier Hauptformen der Energiebereitstellung geordnet:

alaktazid anaerob

laktazid anaerob

aerob-anaerober Übergangsbereich

intensiv aerob

Trainingsbereiche

1. Kompensationsbereich (KB)

2. Grundlagenausdauertraining l (GA1)

3. Grundlagenausdauertraining 2 (GA2)

4. Entwicklungsbereichstraining (EB)

5. Spitzenbereichstraining (SB)

6. Schnelligkeitsbereichstraining (SN)

7. Krafttraining mit Rad (KmR)

8. Allgemeine Athletische Ausbildung (aaA)

9. Wettkampfbereichstraining (WK)

 

Kompensationsbereich (KB)

Trainingsziel: Training mit Regenerationscharakter zur optimalen Verarbeitung vorangegangener Trainings- und Wettkampfbelastung sowie zur Erhöhung der Belastbarkeit für nachfolgende intensive Trainingsbelastungen und Wettkämpfe. Energiegewinnung: aerob, Laktat 0-2 mmol/1 Intensität: gering, niedrigste Intensitätsstufe des Radtrainings Steuerparameter: Herzfrequenz: 90 - HOP/min Tretfrequenz: 60 - lOOU/min Methoden: Dauerleistungsmethode, Kompensationstraining ist eine einfache Radausfahrt zum Vergnügen. Anwendung: vor, zwischen oder nach hochintensiven Trainingseinheiten oder Wettkämpfen vorwiegender Einsatz in der Wettkampfperiode oder in der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung Organisationsform: Einzeln oder als Gruppe

Grundlagenausdauerbereich (GA)

Zielstellung des Grundlagenausdauertrainings ist, die Geschwindigkeit unter stabilen aeroben Stoffwechselbedingungen zu erhöhen. Die Wirkrichtung des Trainings ist charakterisiert durch eine Ökonomisierung der Organprozesse bei hoher Inanspruchnahme des Fettstoffwechsels. Das GA1-Training ist überwiegend Straßentraining. Als Ersatztraining bei Eis, Schnee und Kälte wird GA1-Training auch auf der Rolle realisiert. Das GA l-Training wird in der Praxis unterteilt in:

o ökonomisierendes GA1-Training

o aufbauendes GA1-Training

Das ökonomisierende GA1-Training zeichnet sich durch große Streckenlängen von 120 bis 240 km und niedrige Pulswerte aus. Es wird beabsichtigt, durch das lange extensive Trainieren voll auf den Fettstoffwechsel umzustellen. Trainingsparameter im GA l-Training (ökonomisierend) Herzfrequenz 115-130 P/min Tretfrequenz 90-100 U/min Das aufbauende (entwickelnde) GA l-Training ist durch Streckenlängen von 80 -140 km gekennzeichnet. An der Energiefreisetzung sind sowohl Kohlenhydrat- als auch Fettstoffwechsel beteiligt. Es wird zeitweise ein hoher Krafteinsatz gefordert, aber auch die Möglichkeit einer "relativen Erholung" gegeben.

Trainingsparameter im GA l-Training (aufbauend) Herzfrequenz 140 - 160 P/min Tretfrequenz 90 - 110 U/min.

Das profilierte GAl-Training

Diese Trainingsform ist sowohl Grundlagenausdauer- als auch Kraftausdauertraining. Die Trainingslänge sollte nicht unter 150 km betragen. Die Trainingsdauer ist keine Steuergröße, da die Geschwindigkeit sekundär ist. In diese Trainingseinheit werden schwere Anstiege mit maximalen Längen von 2 Stunden, aber auch alle möglichen sonstigen Schwierigkeiten hineingepackt. Längere Abfahrten, aber auch 15-20 minütige Flachstrecken sind zu wählen, um eine Regeneration zu ermöglichen. Das profilierte GAl-Training ist im Sinne von Gipfelbelastungen zu planen. Es ist nur einsetzbar bei gutem GA/KA-Niveau und sollte in der Regel mit einem folgenden extensiven GAl-Training gekoppelt werden; ist dies nicht möglich, mindestens mit einer KB-TE. Falsch und abzulehen ist passive Ruhe nach solch einer Spitzenbelastung. Erfahrungen über viele Jahre belegen, daß eine Häufung von extensivem und stark profiliertem GAl-Training für den Bahnbereich unerwünschte Wirkungen hat. Diese bestehen in einer Überlagerung des Schnelligkeitsvermögens durch Ausdauereffekte und einer Zerstörung von motorischen Fähigkeiten.

Trainingsparameter im GAl-Training (profiliert): Herzfrequenz: 100-170 P/min. in Anstiegen durchschnittlich 150 - 160 P/Min. Tretfrequenz: 60-100 U/Min. In Anstiegen sollte die Spanne 60 - 70 U/Min, nicht überschritten werden. Übersetzung: 79/68" Organisationsform: mindestens 30 Min. Einfahren vor erster längerer Steigung; Strecke so legen, daß mindestens 30 Min. flache Endstrecke oder leicht fallendes Gelände zum Ausfahren gegeben ist.

Grundlagenausdauertraining GA2

Im Bahnrennsport ist das GA2-Training standardisiert. Es wird mit 5 Zeitfahreinlagen über 80 km oder 6 Zeitfahreinlagen über 100 km gefahren. Die Zeitfahreinlagen haben 1000m Länge und werden mit der Wettkampfübersetzung oder leicht darüber absolviert. Diese Abschnitte sollen flach oder leicht fallend, mit Rückenwind oder windgeschützt sein. Die erreichten Zeiten liegen je nach Witterung um 1:15 Min. Das GA2-Training ist eine Spezialtrainingsform für lOOOm-Spezialisten. Es ist nur in den Vorbereitungsperioden nach dem Aufbau von guten GA/KA-Fähigkeiten einsetzbar. Zielsetzung ist das Erreichen des oberen Übergangsbereiches der aerob-anaeroben Schwelle. Das im Straßenbereich angewandte GA2-Training mit Spurteinlagen, Tempoveränderungen u.a. wird nur selten, z.B. in der Vorbereitung von Straßenmeisterschaften, eingesetzt.

Trainingsparameter im GA2-Training

Herzfrequenz: in Zeitfahreinheiten um 170 P/Min. Tretfrequenz: in Zeitfahreinheiten 130 U/Min. Laktat: 5-7 mmol/1 Übersetzung: 92-94" Anzahl: 5-6 Trainingsziel: Training zur Entwicklung und Stabilisierung der Grundlagenausdauer Erhöhung der aeroben Kapazität, d.h. es kommt bei richtiger Anwendung unter Beibehaltung aerober Stoffwechselbedingungen zu einer Erhöhung der Leistungsfähigkeit im aeroben Bereich Energiebereitstellung: ausschließlich aerob, Laktat 0-3 mmol/1 Intensität: leicht Steuer- Parameter: Hauptparameter ist die Herzfrequenz in einer Bandbreite von 20 P/min. Sie sollte in regelmäßigen Abständen durch Test individuell ermittelt werden. Tretfrequenz 80-105 U/Min. Methoden: Dauerleistungsmethode Anwendung: ganzjährige Anwendung ratsam: GA-Training im Block trainieren, d.h. 2-5 Trainingseinheiten in Folge an-einanderreihen. Beispiel: 1. Tag 100 km 2. Tag 120 km 3. Tag 140 km 4. Tag 160km 5. Tag 180 km

Entwicklungsbereich (EB)

Trainingsziel: Entwicklung der wettkampfspezifischen Ausdauer Training im aerob-anaeroben Übergangsbereich. Der Organismus soll auf die Wettkampfsituationen vorbereitet werden, wo aerob-anaerobe Stoffwechselprozesse erforderlich sind, und er soll den Laktatabbau erlernen. Zwei inhaltliche Schwerpunkte differenzieren das Training im Entwicklungsbereich: - Tretfrequenzorientiertes EB-Training - Kraftorientiertes EB-Training Energieber- reitstellung: aerob-anaerob; Laktat 3-6mmol/l Intensität: mittel Steuerparameter: l. Tretfrequenzorientiertes EB-Training. Das Training wird mit der Herzfrequenz gesteuert. Individuelle Ableitung aus Tests ergibt die Bandbreite, in der der aerobe-anaerobe Übergang mit Sicherheit erreicht werden wird. Die Bandbreite beträgt 10 Schläge. Tretfrequenz: 100-120 U/Min. Übersetzung: 70 - 100 Zoll Pausengestaltung bei der Wiederholungsmethode

- Kraftorientiertes EB-Training Das Training wird nach gleichen Herzfrequenzorientierungen gesteuert. Tretfrequenz: 70 - 90 U/Min. Übersetzung: 80 -110 Zoll Pausengestaltung bei der Wiederholungsmethode Krafttraining mit Rad (KmR) Dieser Trainingsbereich ist untergliedert in verschiedene Kraft-/Kraftausdauerprogramme:

KmR-Kl: 6 Sekunden alaktazides Programm

KmR-K2: 75 Sekunden Kraftausdauerprogramm im aerob-anaeroben Übergangsbereich

KmR-K3: intensives Kraftausdauerprogramm mit unterschiedlicher Dauer und verschiedensten Streckenlängen

KmR-K4: wie K3, aber mit eingelagerten Tempoerhöhungen 6-Sekunden alaktazides Programm (KmR-Kl)

Das K l-Programm wird vorwiegend auf der Radrennbahn absolviert. Bei diesem Programm ist Zielstellung, die im Kraftraum erworbenen Kraftfähigkeiten in spezifische Bewegungen umzusetzen. Energetische Wirkrichtung ist hierbei der Aufbau, die Speicherung und die Optimierung der Umwandlungsprozesse der energiereichen Phosphate. Dies erfolgt durch kurzzeitige Belastungen über 6 Sekunden. Die Programme werden mit 10-15 Wiederholungen absolviert, wobei nach der 5. bzw. 8. Wiederholung eine Serienpause über 15-20 Min. eingelegt wird.

Diese Antritte aus dem Stand mit leicht erhöhten Übersetzungen im Vergleich zum Wettkampfgang sollen alaktazid wirken. Im Erwärmungsprogramm des Kurzzeitbereichs ist die Realisierung von Stehendantritten fester Bestandteil. Vom biomechanischen Gesichtspunkt sind maximale Zug- und Druckkräfte und damit umfassende Vortriebswirksamkeiten anzustreben. Der Körperschwerpunkt ist nicht zu weit nach vorne zu verlagern, da sonst auf dem Antriebsrad zuwenig Gewicht liegt. Steigerung der Kraftausdauerfähigkeiten durch wirkungsvolles Kraftausdauertraining

1. Ausgangsposition

Internationale Entwicklungstrends und Leistungsprognosen weisen daraufhin, daß auch in den 90er Jahren in allen Ausdauersportarten mit weiteren Leistungssteigerungen im Weltspitzenbereich zu rechnen ist. Sie sind vor allem dann möglich, wenn es durch effektive Trainigskonzepte gelingt, -größere Vortriebsleistungen (Bewegungsleistungen) im einzelnen Bewegungszyklus, -eine auf der gesamten Wettkampfdistanz höhere Stabilität und Variabilität der Vortriebsleistung bei Ermüdung sowie -eine prognostisch orientierte Regulationsbreite der Bewegungsfrequenz entsprechend den differenzierten Anforderungen der Hauptphasen des Wettkampfs (Start-Strecke-Endspurt) zu entwickeln.

Generell sind daran neue, die Zuwachsraten der komplexen Wettkampfleistung zum Teil deutlich übertreffende Kräfte im Sinne muskulärer Antriebsleistungen gebunden. Gleichzeitig geht es um die Schaffung größerer Energiereserven und -durchsatzraten in den Stoffwechselbereichen, um ein höheres Niveau und größere Plastizität der motorischen und koordinativen Fähigkeiten, sowie um weitere Fortschritte in der Bewegungsoptimierung. Eine wesentliche Leistungsreserve besteht deshalb darin, die leistungsstrukturorientierten Kraftfähigkeiten gezielt anzuheben. Das ist in erster Linie gebunden an eine ausgeprägte Steigerung der kraftbetonten und technisch-koordinativen Anforderung in den Hauptrainingsbereichen.

2. Stellung der Kraftfähigkeiten in der Leistungsstruktur der Ausdauersportarten

Die Kraftfähigkeiten in den Ausdauersportarten werden durch ein disziplinspezifisches Mischungsverhältnis von Kraftausdauer, Schnellkraft(ausdauer) und Maximalkraft bestimmt. Sie charakterisieren in ihrer Komplexität die Fähigkeit des Sportlers, hohe, den differenzierten Anforderungen des Hauptwettkampfs entsprechende muskuläre Antriebsleistungen zu erbringen und über die gesamte Wettkampfdistanz möglichst aufrecht zu erhalten. Typisches Merkmal ist der relativ schnellkräftige (explosive) Krafteinsatz im Einzelzyklus mit vielfacher Wiederholung entsprechend der Wettkampfdistanz bei zunehmender Ermüdung (=Hauptunterschied zu den Kraftfahigkeiten anderer Sportarten).

Die Kraftfähigkeiten sind demnach disziplinspezifisch bestimmt und keine Kraftfähigkeiten an sich. Ihre praktische Äußerungsform ist in den Ausdauersportarten vor allem disziplinspezifische Kraftausdauer. Sie ist als solche in der Struktur der Leistungsfähigkeit aller Ausdauersportarten ein leistungsbestimmender Faktor. Diese Feststellung bedarf zwischen den Sportarten/Disziplinen einer deutlichen Differenzierung entsprechend der Höhe und Realisierung der Krafteinsätze (Bewegungsleistung) im Wettkampf. In den Kurzzeitdisziplinen und Mittelzeitdisziplinen sowie im Rudern, Schwimmen und Radsport haben die Kraftfähigkeiten einen besonders hohen Rang. In diesen Sportarten bestimmen bei Priorität der Kraftausdauerfähigkeiten die Schnellkraftfähigkeiten und die Maximalkraftgrundlagen in disziplinspezifischen Proportionen in stärkerem Maße die Entwicklung mit und bedürfen daher einer entsprechenden größeren Beachtung im Training.

Die Entwicklung der Kraftfähigkeiten in den Ausdauersportarten sollte nach Neumann vor allem auf eine Vorhalteanpassung im Kraftpotential der oxidativ funktionierenden langsamen und schnellen Muskelfasern abzielen. Darin sind nach seiner Auffassung sowohl Umbildung in den neuromuskulären Steuerprogrammen als auch den kontraktilen Strukturen (kontraktile Proteine) im Muskel fest eingeschlossen, die ihrerseits die Vortriebsleistung dieser Muskeln auch bei vielfacher Wiederholung verbessern.

3. Wirkungsrichtung und Kriterien des Kraftausdauertrainings

Entsprechend der Disziplinspezifik der Kraftausdauerfähigtkeiten ist auch das Kraftausdauertraining konsequent disziplinspezifisch zu gestalten. Seine Hauptwirkung muß hauptsächlich darauf gerichtet sein,

o neuromuskuläre Voraussetzungen für höhere Geschwindigkeiten zu entwickeln, o die lokale Muskelkraftausdauer der am Antrieb/Vortrieb im Wettkampfbeteiligten Muskelgruppen zu steigern (das zielt auf die Erweiterung der Energiespeicher, ein breites Rekrutierungsspektrum der Muskulatur insbesondere schnell- und langsamkontrahierender Einheiten auf vorwiegend oxidativer Basis ab),

o die Voraussetzung für die Optimierung der sportlichen Technik und ihre vortriebswirksame Beherrschung unter zunehmender Ermüdung zu schaffen (Bewegungsökonomie, innermuskuläre Koordination) und

o psycho-physische Mobilisationsfähigkeit unter Ermüdung auszuprägen. Darin ist die differenzierte Entwicklung der Kraftfähigkeiten für den Startabschnitt, den Strecken-und Endspurtabschnitt eingeschlossen. Die Entwicklung der Kraftausdauerfähigkeiten erfordert ein mehrwöchiges !!! gezieltes Training mit allgemeinen, semispezifischen und/oder spezifischen Trainingsformen, das mit höheren Widerstandsreizen auf die Muskulatur einwirkt. Gleichzeitig ist eine Steigerung der Krafttrainingsreize im Verlauf der Mesozyklen und Makrozyklen des Jahres eine wesentliche Bedingung.

Welche Kriterien sind einem wirksamen disziplinspezifischen Kraftausdauertraining zugrunde zu legen?

1) Das Kraftausdauertraining ist in erster Linie als Ausdauertraining gegen höhere Widerstände zu gestalten (sportartspezifisch differenziert als Anstiege im Gelände, Zugwiderstände, Bootsbremsen, spezielle Geräte, Gewichtswesten, Lasten etc.).

Die Widerstände sind an den differenzierten Anforderungen des Start-, Strecken- und Endspurtabschnitts im Wettkampf zu orientieren, die dosiert zu erreichen und zu übertreffen sind. Die Dauer- und Intervallmethoden mit relativ hohen Trainingsumfängen pro Trainingseinheit bestimmen die Wahl der Trainingsmittel und die Gestaltung des Trainings. Das Training gegen erhöhte Widerstände erzwingt offensichtlich deutlich höhere Vortriebskräfte als normalerweise auch im Wertkampf gefordert sind. Damit können gute Voraussetzungen für eine höhere Kontraktionsschnelligkeit der eingesetzten Muskeln geschaffen werden. Es kann davon ausgegangen werden, daß die Höhe des Vortriebswiderstandes im Dauer- und extensiven Intervalltraining keinen relevanten Einfluß auf die Höhe der Herzfrequenz und die Blutlaktatkonzentration ausübt. Diese sind in erster Linie von der Intensität/Geschwindigkeit und damit verbunden von der Bewegungsfrequenz abhängig.

Wirksames Kraftausdauertraining ist daher frequenzreduziertes, laktatgedämpftes Training. Das ist vor allem Ausdauertraining gegen erhöhte Vortriebswiderstände mit einer Dauer von mehr als 30 Minuten pro Trainingseinheit und einer Intensität von 80 bis 90 Prozent der Renngeschwindigkeit bzw. 30 bis 50 Prozent der individuellen Maximalkraftfähigkeit. Ein solches Training führte z.B. bei Untersuchungen im Skilanglauf zu keiner bzw. zu sehr geringen Laktatakkumulationen. Dagegen waren Trainingsbelastungen des intensiven Intervalltrainings mit erhöhten Vortriebswiderständen und Intensitäten/Geschwindigkeiten über 90 Prozent des Renntempos mit Herzfrequenz- und Laktatanstiegen verbunden und zwar in dem Maß wie sich die Geschwindigkeiten/Bewegungsfrequenzen erhöhten.

Dieser intensivere Teil des Kraftausdauertrainings muß daher dem aerob-anaeroben Trainingsbereich zugeordnet werden. Die Beachtung dieses Sachverhalts ist für die Abstimmung des Inhaltes des Kraftausdauertrainings mit der Aufgabenstellung des jeweiligen Trainingsabschnitts von Bedeutung, weil damit die Wirkung des Trainings insgesamt maßgeblich beeinflußt wird.

2) Die kraftsteigernde Wirkung des Trainings muß auf die am Wettkampfbeteiligten Muskelgruppen abzielen und dabei sowohl Agonisten als auch Antagonisten gleichberechtigt ansprechen. Darüber hinaus sind wichtige Muskelgruppen des ganzen Körpers einzubeziehen, die für eine hohe allgemeine Belastbarkeit einen besonderen Stellenwert haben (z.B. obere und untere Extremitäten, Bauch- und Rückenmuskulatur).

Trainingsaufbau für Hochleistungsradrennfahrer - akzentuiertes Training

Bei den Auswirkungen, die durch ein körperliches Training hervorgerufen werden können, muß zwischen bleibenden und regulativen unterschieden werden. Unter bleibenden Trainingseffekten werden alle dauerhaften Anpassungen der Muskelzellen beschrieben. Sie sind bei regelmäßigem Training über längere Zeit stabil, da sie an zelluläre Strukturen gebunden sind. Dazu zählen insbesondere die Querschnittsvergrößerung der Muskulatur mit Zunahme der kontraktilen Filamente und die Vermehrung der Mitochondrien mit Erhöhung der Kapazität der Enzyme der aeroben Energiegewinnung. Je nach dem aktuellen Belastungsprofil kann sich die Funktion des Zellstoffwechsels funktionell anpassen. Nicht benötigte Stoffwechselfunktionen können reduziert werden Bei einem erneuten Bedarf müssen diese erst wieder gebahnt werden, ehe sie die gewohnt hohen Umsatzraten eingehen können. Bei einem Wechsel des Belastungsprofils dient meist die erste Trainingseinheit nur dazu, einen neuen Regulationszustand zu erreichen. Aus diesem Umstand leitet sich eine wichtige Konsequenz für die Trainingspraxis ab.

Das Training der Grundbeanspruchungsformen findet in akzentuierter Form statt, d.h., daß eine einzelne Beanspruchungsform schwerpunktmäßig in einem zusammenhängenden Zeitabschnitt trainiert wird.

Somit wird den regulativen Vorgängen des Stoffwechsels Zeit gegeben. Erst wenn der Organismus alle Kapazitäten erschlossen hat, sind wirksame Trainingsreize zu erwarten. Ein permanenter Wechsel zwischen verschiedenen Beanspruchungsformen löst überwiegend gegenläufige Regulationsvorgänge aus. Andererseits muß auch ein lang anhaltend einseitiges Training vermieden werden, da die jeweils ruhenden Stoffwechselkapazitäten bei längerer Inaktivität zurückgebildet werden. Der ausgewogene Wechsel zwischen den einzelnen Trainingsformen ist letzlich Können und Kunst eines guten Trainers. Werden beim Radtraining neue Trainingsreize gesetzt, müssen die nun geforderten Stoffwechselwege gebahnt werden. Die regulativen Vorgänge müssen abgeschlossen sein, ehe Trainingsreize in vollem Umfang wirksam werden. Bei täglichem Wechsel von Belastungsformen würde ein Teil in regulativen Vorgängen verpuffen. Es hat sich daher das akzentuierte Training durchgesetzt.

Die einzelnen Beanspruchungsformen werden über einen gewissen Zeitraum (Mikrozyklen) aufbauend trainiert, ehe es zu einem Wechsel kommt. Vom akzentuierten Training muß der Begriff Grundlagentraining unterschieden werden. Das akzentuierte Training beschreibt die zeitliche Abfolge und Gewichtung einzelner Trainingsreize unter besonderer Berücksichtigung von regulativen und bleibenden Trainingseffekten.

Der Begriff Grundlagentraining bezieht sich auf Trainingsinhalte und beschreibt Belastungsformen, die in möglichst reiner bzw. unvermischter Form Reize auf die Strukturen der Kontraktion oder den Energiestoffwechsel ausüben. Begrifflich muß das Grundlagentraining vom komplexen bzw. Mischtraining unterschieden werden. Dies soll an einem Beispiel erläutert werden. Ein Verfolger auf der Bahn hat im Wettkampf eine Distanz von 4000m zu bewältigen. Niemand käme auf die Idee, ihn täglich und über eine Saison hinweg 4000m möglichst in Wettkampfgeschwindigkeit trainieren zu lassen. Nach einer anfänglichen Steigerung würde seine Leistung im Laufe der Wochen stagnieren und dann zurückgehen. Man wird jedoch die komplexen Belastungsstrukturen aufschlüsseln und die einzelnen Elemente im Training verbessern. Dazu gehören erhebliche Überdistanzen und hochintensive Unterdistanzen. In der Wettkampfvorbereitung werden die einzelnen Leistungskomponenten wieder durch ein wettkampfspezifisches Training zusammengeführt.

Im Hochleistungssport nimmt das Grundlagentraining, also die Betonung insbesondere der konditionellen Grundfähigkeit im engeren Sinne, den größten Zeitraum ein. Das Trainingsziel ist eine ökonomische Energiegewinnung ohne Anhäufung von Stoffwechselmetaboliten und mit Vergrößerung der Energiereserven, um die Ermüdung möglichst weit hinauszuschieben. Ein wesentliches Kennzeichen dieses Grundlagenausdauertrainings sind daher mäßige Intensitäten und Überdistanzen, die den Sportler in angepaßter Form in Mangelzustände hineinführen sollen. Das Grundlagentraining erweist sich vor allen Dingen dann als effektiv, wenn die Dauerbelastung in Blöcken von zwei, drei oder vier Tagen aneinandergereiht werden. Damit wird nicht nur den regulativen Vorgängen Rechnung getragen, es wird auch die "Schuld" des Vortages mit in die neue Trainingseinheit genommen, um eine Kumulation zu erreichen. Durch die eher mäßigen Intensitäten wird eine schnelle Ausschöpfung der Energiereserven vermieden und dem Stoffwechsel Gelegenheit gegeben, für einen gleichmäßigen Nachschub an energiereichen Substanzen zu sorgen (Einschleusung von Zucker und Fettsäuren in die Muskelzellen, Mobilisierung von freien Fettsäuren aus dem Fettgewebe, Glukoneogenese in der Leber etc.).

Neben dem kontinuierlichen und ökonomischen Energiefluß muß auch eine Erhöhung der Kapazität der beteiligten Stoffwechselprozesse erfolgen. Innerhalb der Zelle ist es die Erhöhung der mitochondrialen Leistungsfähigkeit des aeroben Stoffwechsels. Ein wesentlicher Reiz auf die Erhöhung von Stoffwechselkapazitäten geht in der Regel von Überintensitäten aus, die den vorliegenden Funktionszustand "überfordern".

Das GA1 -Training muß daher in regelmäßigen Abständen durch GA2- bzw. EB-Einheiten unterbrochen werden. Im Fahrerfeld von Straßenrennen liegen die Intensitäten überwiegend im GA2-Bereich, bei aktiverer Teilnahme am Renngeschehen oder an schweren Bergen im EB-Bereich und darüber. Viele Radrennfaher wählen daher diese wesentlich motivierendere Belastungsform statt des GA2- oder EB-Trainings. Für den aktiven Radrennfahrer entsteht daher selten die Notwendigkeit, ein GA2-Training durchzuführen.

Weiterentwicklung der aeroben Leistungsgrundlagen

Die Weiterentwicklung der Ausdauerleistung ist nur möglich, wenn immer höhere Geschwindigkeiten in aerober Stoffwechsellage bewältigt werden können. Für die Organisation des Anpassungsprozesses in diese Richtung ist es notwendig, das Potential der aeroben Arbeit der am Vortrieb beteiligten Muskulatur unter erschwerten energetischen Bedingungen zu fordern. Reale Möglichkeiten dafür stellen eine deutliche Verlängerung der Belastungsdauer und das zeitweise Verlagern des Regimes der aeroben Arbeit des Muskels unter Sauerstoffmangelbedingungen (mittlere Höhe von 1500 - 3000m) dar. Durch ein aerobes "Ermüdungstraining" des Muskels über die Belastungsdauer und durch zeitweiliges Höhentraining können entscheidende Reize für die Zunahme der Zahl der Mitochondrien in der Muskulatur gesetzt werden. Das Rekrutierungsspektrum der am Vortrieb beteiligten Muskeln vergrößert sich.

Im Bedarfsfall werden "frische" Fasern in das Bewegungsprogramm einbezogen. Die Vergrößerung der Mitochondrienzahl führt zu einer Zunahme des Reaktionsraums für die Bildung bzw. die aerobe Resynthese von Adenosintriphosphat (ATP). Die mitochondriale Funktionsreserve ist insofern von Bedeutung, als bei den zu hohen laktaziden Anteilen des Ausdauertrainings etwa 5% der Mitochondrienmembranen eine solche Funktionsstörung erfahren, daß der Wirkungsgrad aerober Prozesse der Energiewandlung negativ beeinflußt wird. Die Schwelle für derartige Funktionsstörungen der Mitochondrien sind intramuskuläre Laktatkonzentrationen über 8 mmol/1. Bei der Verteilung des Laktats im Gesamtorganismus beträgt die Konzentration etwa l bis 2 mmol/1 weniger.

Modellvorstellung vom Einfluß hoher Laktatkonzentrationen auf die Störung der Mitochondrienmembran (Mit Zunahme der säurebedingten Membranschädigung sinkt die Energiegewinnung im Verhältnis zum Sauerstoffangebot.) Die Erkenntnis der Störung der ATP-Bildung in den Mitochondrien durch eine zu hohe Laktatkonzentration konnte auf der Basis von Untersuchungen im Tierexperiment gestützt werden.

Im Hochleistungstraining dürfte ein Ausfall von 5% bis 10% der aeroben Grundlagen der Energiewandlung durch sich summierende Belastungen in laktazider Stoffwechsellage eine kalkulierbare Größe sein. Die Forderung nach verstärkter Nutzung der Dauerbelastung als Reserve ist von dem nicht gewünschten Nebeneffekt der Herausbildung des motorischen Bewegungsstereotyps begleitet. Dieser Zustand läßt sich jedoch mit methodischen Maßnahmen in Form von eingelagerten schnelligkeitsbetonten Trainingsbestandteilen beeinflussen. Erhöhung des aeroben Kraftausdauertrainings (Ausdauertraming gegen erhöhte Widerstände) Die hauptsächlich nutzbare Möglichkeit zur Erhöhung des Leistungspotentials der kontraktilen Strukturen im Muskel ist das Ausdauertraining gegen langdauernd einwirkende erhöhte Widerstände. Damit wird die Kraftausdauerfähigkeit entwickelt.

Die Erhöhung der sportartspezifischen Kraft-Motorik-Komponente ist in ihrem biologischen Hintergrund nur durch die methodische Organisation einer Vorhalteanpassung im Kraftpotential des Muskels durch geeignete Mittel möglich. Nutzbar wird die Leistungsreserve der Kraftausdauer, wenn durch ein Training über einen Zeitraum von mehreren Wochen mit allgemeinen, semispezifischen und spezifischen Mitteln deutlich höhere Widerstandsreize auf die Muskulatur einwirken. Dadurch wird das Anpassungspotential des Muskels sowohl im neuromuskulären Steuerprogramm als auch in seiner strukturellen Umbildung in eine eindeutige und für ihn neue Richtung gedrängt.

Die Arbeitsbereiche werden in einen neuen Bereich verlagert, wodurch sich die Vortriebsleistung des Muskels verbessert. Nur der Widerstandsreiz von mehreren Stunden im Ausdauer- und Kraftausdauertraining kommt es zu einer Verlagerung der Mitochondrien an die Peripherie der Muskelfasern. Der Sauerstofftransport und der Energieaustausch werden effektiver. Eine vollständige Sauerstoffversorgung der Mitochondrien ist infolge des zum Zentrum der Faser fallenden Sauerstoffdrucks wahrscheinlich nur peripher möglich. Diese Veränderungen im Arbeitsbereich des Muskels entsprechen noch nicht der Wettkampfanforderung, sie sind aber entscheidende Voraussetzung für wirksame wettkampfspezifische Ausdauerbelastungen.

Eine neue unterstützende Möglichkeit zur Verbesserung des Kraftpotentials des Muskels ist die Anwendung der Elektromyostimulation (EMS) in Ruhe und zunehmend in Bewegung. Die EMS erhöht die Verfügbarkeit des motorischen Potentials; sie vergrößert das motorische Potential insgesamt und verbessert die Bedingungen der Wiederherstellung der Arbeitsmuskulatur.

Demnach wirkt sie sensibilisierend, konditionierend und wiederherstellungsfördernd aus den Muskel. Der Widerstandsreiz auf die Arbeitsmuskulatur bedingt anfangs meist eine vorübergehende Abnahme der Fortbewegungsgeschwindigkeit. Diese Wirkung des Kraftausdauertrainings stört scheinbar die Vorstellungen vom ausschließlich geschwindigkeitsorientierten Training.

Bei einem vorwiegend aus Geschwindigkeitsentwicklung orientierten Training, das nicht durch andere Reizstrukturen unterbrochen wird, muß jedoch im Endeffekt auf die volle Nutzung der Anpassungsmöglichkeiten des Muskels und damit des Organismus verzichtet werden. Biologischer Hintergrund des widerstandsorientierten Trainings sind die Herausbildung eines breiten Rekrutierungsmusters und die Vergrößerung der Menge kontraktiler Proteine im Muskel. Die kontraktilen Proteine sind das Actin, das Myosin und Troponin, die ein kompliziertes Wechselspiel als Funktionsgrundlage haben. Der durch geeignete Trainingsbelastungen angeregte Anabolismus in diesen Strukturen führt zur Massezunahme, zur Muskelfaserhypertrophie. Muskelfaserhypertrophie und Herausbildung eines belastungsadäquaten Rekrutierungsmusters sind nicht als einheitliche Größen zu verstehen. Sie unterscheiden sich quantitativ entsprechend der Leistungsstruktur in den Kurzzeit-, Mittelzeit- und Langzeitausdauerdisziplinen. Je kürzer die Wettkampfstrecke, desto größer muß die Muskelhypertrophie und der Anteil der schnell kontrahierenden Muskelfasern sein.

Entsprechend der Theorie der Muskelkontraktion kommt es zwischen den Actin und den Myosinfilamenten zu einer unterschiedlichen Ausbildung stabiler Querbrücken. Der Muskel ist dann entsprechend dem neuromuskulären Ansteuerungsmuster zur statischen, konzentrischen (dynamisch überwindenden) und exzentrischen (dynamisch nachgebenden) Arbeitsweise befähigt. Diese drei Kontraktionsformen des Muskels beruhen auf einer einheitlichen strukturellen Fähigkeit. Sie sind Varianten der morphologischen und funtionellen Grundlage der Muskelarbeit.