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Der runde Tritt
In der Realität sieht der Drehmomentverlauf beim unrunden Tritt so aus, daß im Bereich des
"physikalischen Optimums" des Tretbeines das andere Bein (das Leerbein) eine negative
Kraftkomponente beisteuert. Dadurch verringern sich die Maximalwerte des Drehmomentes und der
Verlustanteil beträgt etwa 30 %.
Das Gewicht des "Leerbeines", das in der Tretphase mit angehoben werden muß, verursacht einen
beträchtlichen Kraftverlust. Betrachten wir einen 80 kg schweren Alltagsfahrer. Das Gewicht der
Beine nimmt etwa 40 % des Körpergewichtes ein, so daß er sein Leerbein mit einer Kraft von 160 N
hochhieven muß. Setzt er dazu nicht seine Beugemuskulatur ein, muß das Tretbein die Hubarbeit
verrichten - und die geht der Dreharbeit in der Tretkurbelwelle und im Kettenblatt und damit dem
Vortrieb verloren.
Das Eigengewicht des Tretbeines dagegen unterstützt die dynamische Muskelkraft beim Treten und
kompensiert einen Teil des Leerbeingewichtes - doch der Trägheitsanteil ist nicht zu
vernachlässigen. -
Es genügt eben nicht, einfach nur die Pedale von oben nach unten zu drücken, wenn wir unsere
Muskelkraft optimal einsetzen wollen. Es ist unbedingt erforderlich, das Leerbein mit der
Beugemuskulatur der unteren Gliedmaßen anzuheben. Unser Ziel sollte sein, das Drehmoment im
Kettenblatt und in der Tretlagerwelle möglichst konstant zu halten, und das nicht nur über eine
Umdrehung, sondern über die gesamte Dauer des Fahrens.
Das "Geheimnis des runden Tritts" ist, die Pedalkraft tangential auf das Pedal zu übertragen.
Mit dieser Technik wirkt die Pedalkraft immer im rechten Winkel zur jeweiligen Kurbelstellung
und deshalb bleibt die wirksame Länge des Hebelarmes immer gleich. Dabei sollte sich die
Tangentialkraft auch vom Betrag her möglichst gleichmäßig während des vollen Umlaufs der
Tretkurbel in ein Drehmoment umwandeln - was aber daran scheitert, daß beim Pedalieren die
Streckmuskulatur wesentlich effektiver arbeitet als die Beugemuskulatur.
Ein schwerwiegender Fehler ist das Ausstellen des Knies beim Pedalieren. Der Kraftverlust
beträgt ca. 2 - 3 %. Hinzu kommt noch, daß das Knie dadurch erheblich belastet wird.
Jeder Muskel arbeitet dann wirkungsvoll, wenn er aus seiner Ruhelage heraus verkürzt wird.
Einen noch besseren Wirkungsgrad erzielt man, wenn der Muskel aus einer Überdehnung heraus
kontrahiert. Überdehnung bedeutet, daß der Abstand zwischen Ursprung und Ansatz des Muskels
größer als die Ruhelänge ist. Die maximale Zugkraft wird aus einer 20%igen Dehnung über die
Ruhelänge heraus erreicht. Dehnt man den Muskel noch darüber hinaus, nimmt seine Zugkraft wieder
ab. Der Grund für den Kraftgewinn liegt in der elastischen Rückfederungskraft der Muskelfasern,
die sich zu der eigentlichen Kontraktionskraft addiert. Auch der Radfahrer profitiert von der
Vordehnung: Beugt er sich beim Bergauffahren nach vorn, dehnt sich der gluteus maximus über
seine Ruhelänge hinaus und produziert bei der Kontraktion zur Streckung des Oberschenkels mehr
Kraft. Auch beim Gegenwindfahren oder beim Beschleunigen nutzen wir diesen Effekt aus.
Gelenke verfügen über einen eigenen Stoffwechsel, der aber nicht über Blutgefäße, sondern passiv
erfolgt: der Druckunterschied im umgebenden Gewebe läßt Versorgungsstoffe in das Gelenk
eindiffundieren. Radfahren schafft dafür gute Voraussetzungen, denn die Gelenke sind weitgehend
entlastet. Der fehlende Gegendruck auf der einen und die erhöhte Durchblutung auf der anderen
Seite sorgen für eine optimale Diffusion. Wer durch Radfahren einem Gelenkverschleiß vorbeugen,
ihn aufhalten oder (in Grenzen möglich) gar rückgängig machen will, sollte mit einer hohen
Trittfrequenz fahren und in der Druckphase möglichst wenig Kraft einsetzen.
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